Allgemeine Literatur

Artikel: "Semantic Variation within the Corpus Paulinum: Linguistic Considerations Concerning the Richer Vocabulary of the Pastoral Epistles"

Armin D. Baum

 

In: Tyndale Bulletin 59.2 (2008), S.271-292.

 

Baum vertritt in diesem Artikel die Ansicht, dass aufgrund neuerer linguistischer Untersuchungen des Corpus Paulinum semantische und syntaktische Unterschiede zwischen den Pastoralbriefen und den übrigen Briefen nicht länger als Kriterium dienen können, um unterschiedliche Autoren anzunehmen.

Artikel: "Abschied vom Konsens? Die Pseudepigraphie der Pastoralbriefe als Herausforderung an die neutestamentliche Wissenschaft"

Jens Herzer


In: Theologische Literaturzeitung 129/12 (2004), S.1267-1282.

 

md. Kaum ein Konsens in der Einleitungswissenschaft gilt als so gesichert wie die Pseudepigraphie der Pastoralbriefe.

Unterzieht man diesen Konsens aber einer kritischen Prüfung, wie Herzer es in seinem Artikel macht, kommt man zu erstaunlichen Erkenntnissen:

 

„Fragt man jedoch genauer, was die Past seien, warum sie geschrieben wurden und wem sie galten, dann stößt man auf so divergierende Auffassungen, dass eine systematische Darstellung der aktuellen Forschung kaum möglich ist. Der Konsens der Forschung zu den Past besteht daher nur scheinbar, insofern er grundlegende Aspekte wie die pseudepigraphische Verfasserschaft, die einheitliche Konzeption und die doppelte Fiktionalität betrifft.

Gelegentlich entsteht der Eindruck, dass vor diesem Hintergrund die Bemühungen um eine angemessene Interpretation der Briefe zu einem Wettstreit von subjektiven Empfindungen und phantasievollen Deutungen geworden sind. (...)

Angesichts der sich zum Teil ausschließenden Ergebnisse der Forschung wird zunehmend fraglich, ob die Past unter pseudepigraphischer Vorraussetzung tatsächlich besser verstanden werden können (...)    

Selbst die Art der Pseudepigraphie bleibt kontrovers, ist sie doch weit entfernt von dem, was man akzeptierte Schulpseudepigraphie nennen kann, sondern vielmehr der literarischen Fälschung mit einer auch im Altertum negativ beurteilten Täuschungsabsicht zuzuordnen." (S. 1267f.).

Herzer diskutiert daraufhin die Einleitungskapitel von verschiedenen Kommentaren zu den Pastoralbriefen. Darunter befindet sich auch der Kommentar von Johnson (The Anchor Bible), der für die Echtheit der Pastoralbriefe plädiert und somit den bisherigen historisch-kritischen Konsens bereits verlassen hat.

Auch wenn Herzer Johnsons Position nicht übernimmt, sondern zwischen den Pastoralbriefen und ihrer möglichen Pseudepigraphie differenzieren möchte, ist dies insgesamt ein sehr lesenswerter Artikel zum Forschungsstand und einer interessanten neueren Entwicklung innerhalb der historisch-kritischen Theologie.

Unerwartete Unterschiede. Müssen wir unsere Ansichten über die Pastoralbriefe revidieren?

Rüdiger Fuchs

 

Bibelwissenschaftliche Monographien 12

TVG R.Brockhaus

2003, 234 Seiten

 

Dass Paulus die beiden Timotheusbriefe und den Titusbrief nicht geschrieben hat, ist heute Mainstream in der neutestamentlichen Theologie. Fuchs beschäftigt sich v.a. mit den sprachlichen Argumenten, dass Paulus eine andere Sprache benützt habe als der/die Verfasser der Pastoralbriefe. Neben den sprachlichen Argumenten geht er aber auch auf die inhaltlichen Argumente ein. So gelangt er zur Ansicht, dass die Pastoralbriefe durchaus paulinisch sein können.

Die geschichtliche Einordnung der Pastoralbriefe

Jakob van Bruggen

 

TVG R.Brockhaus

1981, 62 Seiten

 

In dieser Schrift des Kampener Neutestamentlers van Bruggen geht es vor allem um die Datierung der Pastoralbriefe, damit verbunden sind aber auch eine Reihe von weiteren Schlussfolgerungen. Van Bruggen datiert 1.Timotheus und Titus in die 3.Missionsreise des Apostels Paulus und den 2.Timotheus in die Gefangenschaft in Rom.

Einzeluntersuchungen

Frauen in der Kirche. 1. Timotheus 2, 9-15 kritisch untersucht

Andreas J. Köstenberger, Thomas R. Schreiner, H. Scott Baldwin (Hg.)

 

BWM 6

TVG Brunnen

1999, 269 Seiten

 

(md). Das Thema Frauenordination ist neben der katholischen Theologie auch unter Evangelikalen ein heißes Eisen und keine andere Bibelstelle ist relevanter als die in diesem Buch ausführlich untersuchte.
Im ersten Kapitel untersucht S.M. Baugh detailliert die gesellschaftliche und religiöse Situation von Ephesus, dem Dienststandort des Timotheus.
Das zweite Kapitel von H.S. Baldwin geht der Bedeutung des besonders relevanten griechischen Wortes authenteo (1Tim 2,12) nach.
Und im dritten Kapitel untersucht A. Köstenberger genau die Satzstruktur von 1Tim 2,12.
Das abschließende vierte Kapitel von Thomas Schreiner baut auf den Ergebnisse der anderen auf und liefert eine gründliche Auslegung des gesamten Abschnitts.
Den Autoren ist mit diesem Buch wirklich ein großer Wurf gelungen an dem keine andere Auslegung von 1. Timotheus 2, 9-15, die den Anspruch hat seriös zu sein, vorbeikommen kann.