Monatszitat Januar 2020

Gemeinsam mit dem übrigen kirchenrechtlichen Schrifttum ist festzuhalten, dass es ein (ungeschriebener) Grundsatz des evangelischen Kirchenverfassungsrechtes ist, dass alles kirchenleitende Handeln auf die Wahrung von Schrift und Bekenntnis verpflichtet ist. Ein Widerspruch zwischen Massnahmen der rechtlichen Kirchenleitung [...] und Schrift und Bekenntnis ist denklogisch möglich und muss unterlassen werden. [...] Fehlt es an einem magnus consensus über die Schriftrelevanz und Schriftkonformität eines bestimmten kirchenleitenden Handelns (weil beides von einem quantitativ relevanten Teil der Kirche theologisch substantiell bestritten wird), ist dieses deshalb nur eingeschränkt zulässig. [...]. Im Falle einer solchen, in der Kirche als ganzer bestehenden Unklarheit über das von der Schrift gebotene Vorgehen muss die Kirche als solche eine eigene Positionierung unterlassen. Sie darf weder mit Mitteln des Kirchenrechts noch durch anderes kirchenleitendes Handeln (z.B. durch Handreichungen oder eine bestimmte Einstellungspraxis) einen Standpunkt beziehen, der sich auf dem dafür erforderlichen Weg in der ganzen Kirche noch nicht gebildet hat.

 

Renate Penßel, "Kirchenrechtliche Leitlinien für kirchenleitendes Handeln, dessen Übereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis in Frage steht",
ThBeit
50 (2019) 169-182