Monatszitat Dezember 2020

"Klagerede braucht Mut, weil sie die Beziehung an ihre Grenzen führt. Sie ist ein Wagnis, weil niemand wissen kann, wie der grosse Gott diese Klage annehmen wird. Es hätte ein Akt des Ungehorsams sein können, der gemssen an den normalen Regeln der Autorität und des Anstandes auch hätte schief gehen können. Es bedarf nicht nur eines festen Glaubens, sondern eines neuen Glaubens. Es braucht nicht nur Nerven, sondern auch ein gutes Gespür für diesen Gott. Dieses Gespür sagt, dass dieser Gott nicht einfach eine unwidersprochene Struktur sein will, sondern ein Gott, der frontal angesprochen werden kann. Solcher Art sind die Hoffnung und die Sehnsucht des klagenden Israel."

 

Walter Brüggemann, Polyphonie und Einbildungskraft:
Aufsätze zur Theologie des Alten Testaments