Pentateuch allgemein

Der Pentateuch. Die Geschichte seiner Erforschung neben einer Auswertung

Cornelis Houtman

 

Kok Pharos

1994, 472 Seiten

 

Die Stärke dieses Buches liegt neben der gründlichen Darstellung der Geschichte der Erforschung des Pentateuch in ihrer kritischen Auswertung derselben. Anders als es im deutschen Sprachraum Usus ist, berücksichtigt Houtman auch Ansätze vom Rande des theologischen Establishment, widmet sich immer wieder "orthodoxen" und auch jüdischen Minderheitsmeinungen. Er deckt in den verschiedensten Positionen grundlegende Argumentationsschwächen auf, kritisiert, wie viele Theorien sich vorwiegend auf Argumenta e silentio aufbauen und stellt auch die bis heute den Mainstream bildende Schule Wellhausens grundsätzlich in Frage.

 

Das Buch ist zuerst 1980 auf Niederländisch erschienen unter dem Titel Inleiding in de pentateuch. Die deutsche Übersetzung ist zugleich aktualisiert.

The Making of the Pentateuch. A Methodological Study

Roger Norman Whybray

 

Journal for the Study of the Old Testament

Supplement Series 53

Sheffield Academic Press

1987, 263 Seiten

 

Whybray eröffnet diese Studie mit folgenden Worten:

 

"It is easier to cast doubt on earlier theories than to offer a satisfactory alternative. Inability to do the latter, however, does not necessarily invalidate the attempt to do the former, especially when, as is the case with the subject dealt with in this book, the problem is how to make bricks without straw."

 

Der Hauptteil besteht dann auch in einer ausführlichen und sehr grundsätzlichen Kritik der Urkundenhypothese (Teil I) und des überlieferungsgeschichtlichen Ansatzes (Teil II). In einem kurzen dritten Teil, den Whybray als "no more than a tentative sketch of an alternative view" bezeichnet, schlägt er vor, dass der Pentateuch das Werk eines einzelnen Autors aus dem 6. Jh. v. Chr. ist.

 

Zu Recht ist auf Wikipedia zu diesem Buch zu lesen: "The book remains the most complete critique to date of the documentary hypothesis by a mainstream biblical scholar."

[abgerufen am 14.04.2012]

Literatur zur Genesis

Zur Datierung der "Genesis-P-Stücke" namentlich des Kapitels Genesis XVII

Samuel R. Külling

 

Immanuel Verlag

2. Aufl. 1984, 322 Seiten

 

In seiner Dissertation zeichnet Külling sehr gründlich nach, wie es Forschungsgeschichtlich überhaupt zur Spätdatierung der so genannten Priesterschrift gekommen ist. Anschliessend untersucht er die Genesis-P-Stücke aus Gen 17. Sein zentrales Argument ist formgeschichtlicher Natur: Er zeigt den Vertragscharakter von Genesis 17 auf und setzt ihn in Beziehung insbesondere zu hethitischen Staatsverträgen aus dem 2.Jt. v. Chr.

Literatur zu Levitikus

People and Land in the Holiness Code

Jan Joosten

 

Supplements to Vetus Testamentum

E.J. Brill

1996, 226 Seiten

 

Vom Umschlagtext: "This work proposes a reconstruction of the thought world underlying the Holiness Code (Leviticus 17-26). It focuses on the notions of people and land, which are central to the way the law is presented in this corpus. Important themes treated include the sons of Israel, the resident alien, the call to holiness, the camp in the desert and the land as the property of the Lord. The conceptual universe of the Holiness Code is entirely dominated by the notion of the presence of the Lord in his sanctuary, in the midsts of his people. It is this presence which requires the Israelites to observe holiness and confers upon the land its particular status."

 

Neben den Einsichten zu Volk und Land, die hilfreich sind um Lev 17-26 zu verstehen, ist nennenswert auch die Tendenz zur frühen Datierung des Materials, die dem Mainstream exilischer und nachexilischer Datierung von P und H entgegen steht.

Literatur zum Deuteronomium

Artikel: "CTH 133 and the Hittite Provenance of Deuteronomy 13"

Joshua Berman

 

In: Journal of Biblical Literature 130 (2011), S.25-44.

 

Es ist breiter Forschungskonsens, dass insbesondere Dtn 13 und 28 vom Esarhaddon Vasallenvertrag (7. Jh.) literarisch abhängig ist. Berman zeigt dagegen, dass zwischen Dtn 13 und einem Hettitischen Vertragstext, CTH 133 (15. Jh.), eine viel engere literarische Beziehung besteht.

Artikel: Building on Stone? Deuteronomy and Esarhaddon's Loyalty Oaths (Part 1): Some Preliminary Observations

Markus Zehnder

 

In: Bulletin for Biblical Research 19.3 (2009), S.349-374

 

In der neueren Forschung zum Deuteronomium hat sich in weiten Teilen die Meinung durchgesetzt, dass dem Ur-Deuteronomium eine Vorlage des Vasallen Vertrages von Esarhaddon (VTE) vorgelegen sei. Zehnder untersucht diese These, indem er die betreffenden Stellen genau vergleicht. Aufgrund einiger weiterer Überlegungen bezweifelt er die literarische Abhängigkeit des Deuteronomiums vom VTE.

 

Artikel: "Building on Stone? Deuteronomy and Esarhaddon's Loyalty Oaths (Part 2): Some Additional Observations"

Markus Zehnder

 

In: Bulletin for Biblical Research 19.4 (2009), S.511-535.

 

In Teil 2 seines Artikels geht Zehnder auf Parallelen ein, die zwischen dem von vielen Forschern suggerierten "Ur-Deuteronomium" und den Vasallenverträgen von Esarhaddon (VTE) existieren, die darüber hinaus aber auch in anderen Texten des alten Vorderen Orients existieren. Anschliessend zeigt er Parallelen zwischen dem Deuteronomium und Hettitischen sowie Aramäischen Verträgen (und anderen Texten) aus dem 2.Jt. v. Chr. auf. Anschliessend zeigt er, darin K.A. Kitchen folgend, die Gemeinsamkeit der Struktur des Deuteronomiums mit derjenigen von Hettitischen Vasallenverträgen aus dem 14./13. Jh. auf und kommt dann zurück auf die Frage nach einer möglichen Abhängigkeit des Deuteronomiums von VTE. Gegen Ende (S.532) hält er  bezüglich §56 des VTE fest: "The reconstruction of a clear historical route of transmission turns out to be easier when we assume that the Israelite side is the source of the convergences with the Assyrian ride, rather than the other way around."

Artikel: "Der archimedische Punkt der Pentateuchkritik - zur josianischen Datierung des Deuteronomiums."

Mart-Jan Paul

 

In: Jahrbuch für evangelikale Theologie 20 (2006), S.115-138.

 

In diesem Aufsatz, in welchem Paul seine in holländischer Sprache erschienene Dissertation einer deutschen Leserschaft zusammengefasst zugänglich macht, liefert er zunächst einen Abriss über die Forschungsgeschichte und die Argumente, aufgrund welcher sich die josianische Datierung des Deuteronomiums etabliert hat, und kritisiert diese Datierung anschliessend vom biblischen und ausserbiblischen Befund her.

 

Time and Place in Deuteronomy

J.G. McConville & J.G. Millar

 

Journal for the Study of the Old Testament

Supplement Series 179

Sheffield Academic Press

1994, 155 Seiten

 

Zentrale Fragen um die Datierung des Deuteronomiums kreisen um die Themen von Zeit und Ort im Deuteronomium. Besonders um den "Ort" im Altargesetz von Dt 12, der in der klassischen josjanischen Datierung mit Jerusalem identifiziert wird. Die Autoren untersuchen Zeit und Ort im Deuteronomium in folgenden zwei Aufsätzen:

 

- Living at the Place of Decision: Time and Place in the Framework of Deuteronomy (J.G. Millar)

- Time, Place and the Deuteronomic Altar-Law (J.G. McConville)

 

Insbesondere im zweiten Aufsatz wird die Problematik einer Identifizierung des "Ortes" aus dem Altargesetz problematisiert.

 

Law and Theology in Deuteronomy

J.G. McConville

 

Journal for the Study of the Old Testament

Supplement Series 33

Sheffield Academic Press

1984, 214 Seiten

 

Diese Studie untersucht die Theologie des Deuteronomiums, die sich in den Gesetzen (bes. den kultischen) niederschlägt (Heiligtum, Opfer, Feste, etc.)

Die Studie steht im Kontrast zur weit verbreiteten Gewohnheit, das Deuteronomium ausschliesslich in historischer Perspektive und zwar von der Josianischen Reform her, zu lesen.

G.J. Wenham schreibt zu dieser Studie: "In Law and Theology in Deuteronomy J.G. McConville has indirectly offered the most serious challenge to the linkage between Deuteronomy and Josiah's reform. [...] McConville's work has not been widely noticed, but if a new critical paradigm is to emerge, it will have to reckon with McConville's arguments."

Literatur zu den Gesetzestexten des Pentateuch

The Jubilee from Leviticus to Qumran. A History of Interpretation

John Sietze Bergsma

 

Supplements to Vetus Testamentum 115

Brill

2007, 348 Seiten

 

Bergsma untersucht die Geschichte des Jubeljahrs und seiner Rezeption bis Qumran. Dabei geht er u.a. auch dem Verhältnis von Lev 25 zu Ex 21,1-11 und 23,10f. sowie zu Dtn 15 nach. Er datiert dabei die Gesetze äusserst früh (Bundesbuch vormonarchisch, für Lev 25 nimmt er einen "Early Tribal Sitz-im-Leben" an (S.77), Dtn 15 hält er für jünger als Lev 25, er tendiert zu einer "transition during the early monarchy" (S.129)).

Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien. Ein Beitrag zur Anthropologie des "Fremden" im Licht antiker Quellen

Markus Zehnder

 

Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament 168

Kohlhammer Verlag

2005, 613 Seiten

 

Umfassende Studie zum Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien auf einer historischen Grundlage, die nicht dem Mainstream entspricht.

 

Debt-Slavery in Israel and the Ancient Near East

Gregory C. Chirichigno

 

Journal for the Study of the Old Testament

Supplement Series 141

Sheffield Academic Press

1993, 416 Seiten

 

Neben einem Vergleich alttestamentlicher Schuldsklavengesetze mit ausserbiblischen Parallelen vergleicht Chirichigno auch die drei Gesetze aus Ex 21,2-11; Dt 15,12-18 und Lev 25,39-55 untereinander. Während in der Pentateuchkritik üblicherweise eine historische Entwicklung angenommen wird, die von Ex über Dt zu Lev verläuft (JE -> D -> P), zeigt Chirichigno, dass die Gesetze komplementär sind. Zudem geht er davon aus, dass das Gesetz aus Dt 15 jünger ist als das aus Lev 25.

 

Artikel: "The Relationship between the Legal Corpora in the Pentateuch in Light of Manumission Laws"

Sara Japhet

 

In: Dies.: Studies in Bible. ScrHieros XXXI. Jerusalem [Magnes] 1986, S.63-90.

 

Japhet untersucht anhand der drei Sklaven-Freilassungs-Gesetze aus Ex 21, Lev 25 und Dt 15 die Beziehung der Gesetzestexte des Pentateuch untereinander. Gegen den allgemeinen Mainstream vertritt sie die Ansicht, die sie an diesem exemplarischen Beispiel darlegt, dass die (sogenannt priesterschriftlichen) Texte aus Lev nicht jünger sind als die des Deuteronomiums, sondern vielmehr im Deuteronomium vorausgesetzt sind.