Monatszitat Januar 2012
Die ganze Liturgie, beginnend mit dem Eingangsvotum "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes", mit den Doxologien "Ehre sei dem Vater, und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen", mit dem Trishagion der Seraphen vor Gottes Thron, dem dreimaligen "Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!" (Jes 6,3) in der Abendmahlsliturgie bis hin zum aaronitischen Segen (Num 6,24-26) am Schluss ist trinitarisch, und zwar in der Zusammengehörigkeit von Altem und Neuem Testament. Wird jedoch diese in der Schrift bezeugte Zusammengehörigkeit des Alten, durch den Ungehorsam von uns Menschen gebrochenen Bundes, und dem durch die Bundestreue durchgehaltenen und in Christus erneuerten Bund (vgl. Röm 3,1-8; Jer 31,31; Ez 11,19; 36,26; 2Kor 3) geleugnet und durch andere Bezeichnungen wie "hebräische Bibel", "jüdische Bibel", "Tanach", "erstes bzw. zweites Testament" ersetzt, dann wird zugleich, ob man das will oder nicht, geleugnet, dass der Dreieinige Gott Schöpfer, Erhalter, Richter aller Welt und aller Menschen, der Lebenden wie der Toten ist. Gott würde auf eine christliche Privatreligion reduziert. Tendenzen dieser Art sind seit langem weit verbreitet und sitzen tief auf im Bewusstsein von Christen.
Was aber geschieht dort, wo der Gottesdienst etwa mit folgenden oder einem ähnlichen Votum als Begrüssung beginnt: "Ich begrüsse Sie im Namen des Kapitels, das diesen Gottesdienst für Sie vorbereitet hat"? Es geht nicht mehr um die Gegenwart des Dreieinigen Gottes und die Gemeinschaft mit ihm, sondern um das Verhältnis von Veranstalter und Publikum.
Reinhard Slenczka, "Die Selbstoffenbarung und
die Gegenwart des Dreieinigen Gottes"
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